Reisetruhen-Camping 1965 made in DDR

Inspiriert durch die Blogparade bei reisenmobil.com kamen die Gedanken von ganz allein. Camping als Kind, Gerüche und Empfindungen reichen von Sonne, Meer, Strand bis hin zu den Spielgefährten. Wir waren immer eine große Runde, die den ganzen Tag im Wasser tobte.

An schlechtes Wetter kann ich mich gar nicht erinnern, die Sommer waren (früher) einfach besser, aber erinnern kann ich mich an Plumpsklos – aufgestellt in einer Reihe und ich glaube von uns kaum benutzt…Und wie kamen wir nun an den Ostseestrand? Das war spannend – für uns, was das für meine Mutter war, mag jeder selbst einschätzen, der hier weiter liest.

Aufgewachsen bin ich bei diesen zwei Powerfrauen:

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Meine Mutter packte und organisierte lange schon vor unserem Urlaub, denn wir hatten kein Auto. Wie also kamen unsere Ausrüstung und wir an den Ostseestrand?

Unsere Reisetruhe

Lange stand sie auf unserem Dachboden – und sie roch weiter nach Urlaub, Strand und Meer – noch jahrelang. Auch als wir sie nicht mehr als Reisetruhe benutzten. Ja, Reisetruhe! Wie in der ganz alten guten Zeit. Denn wohin mit einem 4- Mann-Zelt, das mit schweren Zeltstangen aus Stahlrohren aufgebaut werden musste? Dazu kamen die unhandlichen Luftmatratzen und Schlafsäcke und auch die Klamotten nahmen damals deutlich mehr Platz weg als heute. Obwohl wir, glaub ich, nicht wirklich viel davon brauchten. Denn es ging  an den Nacktbadestrand.

Also alles ganz  einfach – es wurde eine Reisetruhe mit allen notwendigen Ausrüstungsgegenständen gepackt, die (damals noch) Deutsche Reichsbahn von unserem Vorhaben informiert. Diese holte dann die Truhe von zu Hause ab und organisierte die Reise für unser Zelt im Gepäckwagen. Und wir? Wir erlebten das Abenteuer überhaupt. Wir fuhren mit dem Schlafwagenzug einfach der Reisetruhe hinterher. Am Zielort angekommen, wurde ein Pferdegespann geordert – die warteten da schon – noch mal tief Luft geholt – meine Mutter – wir waren entspannt – festgestellt, dass besagte Reisetruhe auch angekommen ist – und der Urlaub konnte beginnen. Auf ging es zum vorher gebuchten Campingplatz und mit Hilfe von Nachbarn wurde das Zelt aufgebaut. Kocher war dabei, Kühlschrank? Nein, gab es nicht. Die Butter kam in Dosen, die eigens dafür hergestellt wurden. In die Mitte der Dose kam die Butter, rings herum befand sich ein Ring, der mit kaltem Wasser gefüllt wurde und dieses Wasser sollte die Butter in einem festem Zustand erhalten. Ansonsten wurden die Lebensmittel zum kühl halten in Plastedosen verpackt in der Erde vergraben. Meine Mutter und Stress? Kann mich nicht erinnern.

Der Teppich

Allerdings doch – eine Situation gab es doch: Oma reist an – Oma schickt ein Telegramm: Wetter ist so schön, außerdem muss Oma ja auch mal gucken, ob alles in Ordnung ist. Das war der Moment, als ich bei meiner Mutter Stress verspürte. Aber nur ganz wenig. Bis das zweite Telegramm kam: Schicke Teppich….Man will es ja bequem haben und bitte ja kein Dreck im Vorzelt…Teppich kam auch per Gepäckwagen und die Oma im Schlafwagen. Musste dann natürlich vom Bahnhof abgeholt werden. Pferdewagen standen aber am Bahnhof. Also lief die Familie zum Bahnhof. Holte die freudestrahlende Oma ab. Na, war das nicht eine prima Idee – der Teppich. Wo ihr doch immer so einen Dreck in das Zelt schleppt? Stress bei meiner Mutter? Sie hat es bis zuletzt abgestritten, dass an diesem Tag in unserem Kakao Salz statt Zucker war. Und mein Bruder? Der erinnert sich noch sehr deutlich, wie schwer dieser verfluchte Teppich war – denn an diesem Tag hatten die Pferdchen gerade frei.

Und Heute…

Und wenn ich heute morgens in meinem Wohnmobil aufwache – Kühlschrank, Heizung – alles da. Dann setze ich mich an den von meinem Mann liebevoll vorbereiteten Frühstückstisch und wir befragen das Navi nach dem weiteren Weg oder dem nächstem Campingplatz – spätestens  dann steigt meine Achtung  vor meiner Mutter, Wahnsinn, was sie damals auf die Beine gestellt hat, um mit uns Urlaub zu machen. Und dies alles ohne Telefon, Internet und Handy…

3 Gedanken zu „Reisetruhen-Camping 1965 made in DDR

  1. Vielen Dank für deinen tollen Beitrag. Camping ist doch deutlich komfortabler geworden, nicht wahr? Liebe Grüße – Angelika von ReisenMobil.

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